In der Schweiz untersteht der Alkoholverkauf Einschränkungen. Auch Sportvereine sind verpflichtet, den Jugendschutz einzuhalten. Im Rahmen von Monitoring-Testkäufen wurden diverse Fussballvereine aus unterschiedlichen Ligen ausserhalb der Super League im Frühling 2012 getestet, ob sie den Jugendschutz einhalten. Jugendliche unter 16 jährig erhielten in 54.5% der Fälle alkoholische Getränke ausgeschenkt. Im Vergleich zum Gesamtschweizerischen Durchschnitt (30%) eine sehr hohe Zahl. «cool and clean» ist bestrebt, Sportvereine zu unterstützen, damit sie den Jugendschutz einhalten. Kampagnenleiter Reto Balmer von «cool and clean» nimmt dazu Stellung.
Warum sind die Testkäufe bei Fussballvereinen so schlecht ausgefallen?
Bei kleineren Fussballvereinen ohne professionelles Catering werden Buvetten und sonstige Ausschankstellen oft von Vereinsmitgliedern geführt. Diese sind selten geschult, resp. kennen die gesetzlichen Vorschriften oft gar nicht. Zudem geht es bei solchen Ausschankstellen zuweilen hektisch zu und her. Da verliert man leicht den Überblick und denkt nicht daran, junge Käufer nach dem Ausweis zu fragen. Zudem kann es sein, dass man bei Jugendlichen die man persönlich kennt, eher einmal ein Auge zudrückt und Alkohol verkauft. Dies ist natürlich der völlig falsche Ansatz.
Sie stellen Fussballvereine durch „verdeckte Ermittlungen“ an den Pranger. Eigentlich versteht sich «cool and clean» aber als Dienstleister im Schweizer Sport. Was sagen sie dazu?
Wir stellen niemanden an den Pranger. Die Resultate werden anonymisiert. Rechtliche Konsequenzen drohen den fehlbaren Vereinen ebenfalls nicht. Vielmehr möchten wir Vereinen unsere Hilfe bei der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften anbieten. Wir möchten sie darauf aufmerksam machen, dass auch für sie der Jugendschutz gilt. Unter anderem deshalb verstehen wir uns als Dienstleister im Schweizer Sport.
Gibt es denn keine anderen Massnahmen im Bereich Jugendschutz?
Testkäufe sind erwiesenermassen ein sehr gutes Instrument, um den Jugendschutz zu verbessern. In der Super League zum Beispiel, haben sich die Resultate stetig verbessert. Und schliesslich ist genau das unser Ziel. Mit den Testkäufen haben wir endlich konkrete Zahlen in der Hand und sehen, dass die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften tatsächlich nicht so einfach ist. Kein Sportverein kann sich dem entziehen. Nun können wir sie unterstützen und ihnen unsere Hilfe anbieten.
Wie genau sieht diese Hilfe aus?
Wir bieten den Vereinen Jugendschutz-Hinweisplakate zum Beschildern der gesetzlichen Richtlinien. Zudem haben wir eine Alterskontrollkarte entwickelt, welche dem Verkaufspersonal das Kontrollieren des Alters vereinfachen soll. Betreiber von Alkohol-Ausschankstellen können das Material kostenlos in unserem Online-Shop bestellen. Am wichtigsten erscheint mir jedoch, dass Restaurationsbetreiber das Verkaufspersonal schulen und sie für die Einhaltung des Jugendschutzes sensibilisieren.
Ein kühles Bier nach dem Sport gehört doch einfach dazu. Was ist so schlimm daran, dass ein Minderjähriger auch mal ein Bier trinkt?
Alkoholkonsum und Sport sind leider stark miteinander verbunden. Das entspricht aber nicht dem Spirit of Sport, den wir fördern. Der Sportverein ist bestimmt nicht der richtige Ort für einen Jugendlichen, um erste Erfahrungen im Umgang mit Alkohol zu sammeln. Achtet ein Verein darauf, trägt er viel zu einer starken Jugend bei. Zudem wird die Gesundheit von Jugendlichen durch Alkoholkonsum viel stärker gefährdet als jene von Erwachsenen. Wer Alkohol verkauft, trägt eine grosse Verantwortung.
Wie geht das Projekt weiter?
Zuerst informieren wir nun alle Vereine über die Resultate und bieten ihnen unsere Hilfe an. Wir informieren sie, dass wir auch im Herbst 2012 Testkäufe durchführen lassen. Wir wollen sehen, ob sich die Resultate nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse verändert haben. Danach ziehen wir Konsequenzen für weitere Aktivitäten im Bereich Jugendschutz und der Kommunikation unserer Unterstützungsangebote.
Weitere Informationen zum Projekt
Das Projekt wird durch das Nationale Programm Alkohol finanziell unterstützt.
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) steht hinter dem Projekt.